Totholz-Konservierung


(Von Walter Pall)

 

Zuerst Biotreecleaner und dann Holzhärter, nicht umgekehrt.

Biotreecleaner ist ein Mittel um Bonsai gründlich zu reinigen, ohne dass die Borke beschädigt wird. Grünbelag durch Algen und Moos wird zuverlässig völlig entfernt. Schmutz wird durch die Säure verbrannt. So kommt bei vielen Borken eine frische Farbe heraus. Die eigentliche Rindenfarbe kommt unter dem Schmutz heraus. So werden Lärchen, Fichten, Kiefern bräunlich statt vorher schmutzig grauschwarz. Wem die 'neue' Farbe nicht gefällt, einfach einige Wochen bis Monate warten. Die alte Farbe stellt sich dann ganz von selber wieder ein. Biotreecleaner sterilisiert weitgehend die Baumoberfläche. Bakterien, Pilze, Insekten usw. werden stark beeinträchtigt. Biotreecleaner bleicht Totholz und Rinde. Zusätzlich zur Grünbelagentfernung im ganzen Baum erfüllt er also auch die Funktionen von Jinmittel. Das Totholz wirkt aber nicht wie angemalt, sondern sauber mit natürlicher Holzfarbe und -struktur. Einige Gestalter verwenden deshalb Biotreecleaner anstatt Jinmittel. Biotreecleaner hält einige Monate vor. Es wird während einer Vegetationsperiode zwei- bis dreimal angewendet. Herkömmliche Grünbelagentferner, die im Gartenhandel angeboten werden, sind regelmäßig für lebende Pflanzen nicht geeignet. Das 'Bio' in Biotreecleaner steht für die problemlose Anwendung auf Bonsai von den Oberflächenwurzeln bis in die feine Verzweigung, ohne dass das für den Baum schädlich ist. Biotreecleaner wurde an einigen hundert Bonsai über ein Jahr getestet. Dabei waren sehr viele hochklassige Bäume bis Weltklasse. In allen Fällen hat das Mittel gewirkt und keine dauerhaften Schäden bewirkt.

Auftragen von Biotreecleaner:

Es ist möglich, Biotreecleaner auf einen trockenen Baum aufzutragen. Besser ist es, den Baum durch Besprühen mit normalem Leitungswasser vorzubereiten. Den feuchten Baum dann mit einem normalen Malerpinsel großzügig bestreichen. Man kann natürlich ganz gezielt Totholz oder die Stellen, die deutlich sichtbar grün oder schmutzig sind, einpinseln. In der Praxis ist es meistens besser, den gesamten Baum von den Oberflächenwurzeln bis in die Zweigspitzen einzupinseln. Bei Außentemperaturen um 25°C oder wärmer wirkt Biotreecleaner sehr rasch. Die Wirkung hält aber auch nach mehreren Stunden und Tagen weiterhin an. Bei niederen Temperaturen kann die Wirkung 1 Tag bis mehrere Tage dauern. Die endgültige Reinigung stellt sich oft erst nach mehreren Wochen ein, ist dann aber verblüffend. Der Baum sollte nach dem Einpinseln nicht sofort durch Regen oder Gießen nass werden. Ansonsten rinnt das Mittel auf die Erdoberfläche. Das ist nicht schädlich, jedoch ist das Moos dann sicher braun. Wer auf Nummer sicher gehen will, der bedeckt die Oberfläche mit Tuch oder Papier. Wenn Biotreecleaner einmal auf der Baumoberfläche eingetrocknet ist, dann kann der Baum auch wieder nass werden. Gießen mit Leitungswasser oder Regenwasser nach einem Tag ist also völlig in Ordnung. Die Schalenoberfläche kann ev. auch gereinigt werden, falls mit Grünbelag versehen. Allerdings kann in seltenen Fällen bei höherer Konzentration die Glasur dauerhaft farblich verändert werden. Die Wirkung abwarten und nach einigen Tagen ev, noch einmal aufpinseln auf Stellen, die hartnäckig etwas grün oder schmutzig bleiben. Natürlich sollte man vermeiden, durch mehrmaliges Auftragen in kurzen Abständen eine zu hohe Konzentration zu erreichen. Aufsprühen im laublosen Zustand mit geringer Konzentration ist durchaus möglich und sinnvoll. Bei Besprühen im Feld mit niederer Konzentration ist kein Bodenschutz notwendig. Die Säure wird rasch durch die Erde neutralisiert.

Sicherheitshinweise:

Es handelt sich bei Biotreecleaner um eine Säure. Sie ist ev. für den Menschen gesundheitsschädlich. Berührungen mit der Haut weitgehend vermeiden. Nicht in offenen Wunden oder gar Augen und Schleimhäute. Verschlucken unbedingt vermeiden. Falls es trotzdem auf die Haut kommt, mit normalem Leitungswasser abspülen. Falls es jemals in die Augen kommt, den Kopf unter Wasser tauchen, die Augen weit aufmachen. Vor Kindern unzugänglich aufbewahren. Bei Auftragen mit Pinsel möglichst Handschuh und Schutzbrille verwenden. Bei Aufsprühen unbedingt Mund- Augen- und Hautschutz verwenden. Für Algen, Moose und andere niedere Pflanzen ist Biotreecleaner tödlich, auch bei geringer Dosierung. Für höhere Pflanzen, auf Rinde oder Borke aufgetragen unschädlich, auf Totholz aufgetragen unschädlich, auch in höherer Konzentration, auf Äste mit grüner Rinde ev. schädlich, aber meistens harmlos, auf Nadeln von Koniferen meist unschädlich, auf Blättern von Laubbäumen ev. leichte Verbrennungen und Verfärbungen möglich, jedoch ohne Dauerschaden. In höheren Konzentration für manche Glasuren von Schalen ev. bedenklich. Es können dauerhafte Verfärbungen entstehen. Wenn Biotreecleaner auf die Schale kommt, dann rasch mit normalem Leitungswasser abwaschen. Kleidungsstücke, auf die Biotreecleaner gelangt, können dauerhaft gebleichte Stellen aufweisen. Biotreecleaner sollte mit Zugaben von normalem Wasser verdünnt werden. In hohen Konzentrationen kann er gefährlich werden. Jeder ist für die sichere Anwendung und Aufbewahrung selbst verantwortlich. Für Missbrauch kann natürlich keine Haftung übernommen werden.

Der Holzhärter besteht aus Aceton, in dem Plastik gelöst ist. Er wird auf das trockene Holz mit einem normalem Malerpinsel aufgetragen. Das Aceton wird eingesaugt und füllt die trockenen, leeren Holzzellen. Dann verdunstet das Aceton und das Plastik bleibt in den Zellen. Das macht man ev. dann noch ein bis zweimal. Dann ist das Holz plastifizert. Es bleibt auch so, wird kaum mehr von Pilzen und Bakterien angegriffen und der Zerfall ist aufgehalten. Das macht man dann jedes Jahr wieder nach Bedarf. So kann man den Verfall des Holzes dauerhaft aufhalten. Ganz weiches, faulendes und zerbröckelndes Holz, wie es Laubbäume und auch einige Kiefern haben, kann durchaus auch behandelt werden. Meistens kann man wenigstens einen Teil stabilisieren.

Der Holzhärter ist natürlich nicht ungefährlich. Beim Auftragen sollte Schutz an Händen und im Gesicht getragen werden, einatmen ist gefährlich. Offene Flamme und Holzhärter kann ein explosives Gemisch ergeben. Man muss auch vermeiden, lebende Teile beim Bemalen zu berühren. In der Praxis wurden jedoch bereits öfter angrenzend lebend Borkenteile mit Holzhärter angemalt, ohne dass sich irgendwelche Schäden am Baum zeigten. Es ist besser, die Erdoberfläche vor Tropfen zu schützen. Die Schalenobefläche muss geschützt werden, weil sich die Tropfen dann wie klares durchsichtiges Plastik festlegen. Sie können allerdings mit Nagellackentferner oder 99% Alkohol problemlos abgewaschen werden. Die Behandlung mit Holzhärter ist nicht sichtbar, die Oberflächen erscheinen in mattem Seidenglanz, der nicht künstlich aussieht. Es empfiehlt sich, vor dem Aufbringen des Holzhärters das Totholz zu reinigen. Biotreecleaner ist dafür hervorragend geeignet. Nach dem Auftragen von Holzhärter kann durchaus noch mit Jinmittel oder anderen Bleichmitteln erfolgreich gearbeitet werden. Es ist nicht günstig, künstliches totes Holz gleich nach der Erstellung zu 'konservieren'. Man will ja erst einmal genau das Gegenteil, nämlich, dass ein Verfallprozess eingeleitet wird. Man behandelt frisches Totholz also erst einmal einige Jahre überhaupt nicht, bloß mit Reiniger. Erst wenn eine schöne Patina erreicht ist, wird mit Holzhärter  gearbeitet.